Tag 10

Pierre und ich verliessen Warner Springs (5 Hikersterne) früh morgens und machten uns auf den Weg. In der Nacht ist die Temperatur gefallen und bis zum frühen Nachmittag liess es sich bei 15/16 Grad angenehm wandern. Unterwegs trafen wir dann wieder mal Wes und Staci und auch Sharky, der über „Umwegen“ auch in Warner Springs gelandet ist, liess sich von uns aufgabeln.

Als es dann wieder richtig warm wurde, war auch das Wasser wieder knapp und wir filterten bei ca. Meile 118.

Unser Ziel heute war erst mal „Mikes Place“ – ein verrückter Ort, wo Mike Huerrera, ein „Trail Angel“ in einer Garage in mitten von nirgendwo einen Oldtimer herrichtet und nebenbei Hiker mit Holzofenpizza, Hotdogs, Bier und Wasser versorgt. Mike ist selbst oft nicht da, dann übernehmen seine Kumpel Tom und Josh die Hikerpflege (alles gegen eine Spende).

Da saßen am Nachmittag über 26 Hiker um den Holzofen, lachten und diskutierten.

Um 18:30 Uhr bin ich dann aufgebrochen, um Pierre, der sich bereits vorher verabschiedet hatte, beim nächsten Campground auf einer Anhöhe zu treffen.

Das war ein Fehler – ich hätte doch wie viele der anderen bei Mike zelten sollen ...

Der „Campground“ waren 5-6 einigermaßen flache Stellen auf dem Gipfel des nächsten Berges. Da oben tobte ein ziemlicher Sturm, ich konnte grad so mein Zelt aufbauen, aber nicht richtig „vertäuen“, da zuviel Buschwerk außen herum lag. Das Zelt schwankte, flatterte und wogte die ganze Nacht – ein irrer Sturm! Aber das Zelt und ich überstanden diese stürmische, schlaflose Nacht und wir wurden mit einem tollen Sonnenaufgang belohnt.

 

Bilder des Tages:

Tag 9

Gut erholt – mit gefiltertem Wasser – ging es heute nur darum, 10 Meilen nach Warner Springs zu kommen. Möglichst bis 13:30 Uhr, um dort mein Ressuply Paket im Post Office abzuholen, das ich mir aus San Diego dorthin geschickt hatte. Auf dem Weg dahin kamen wir am "Eagle Rock" vorbei, einer natürlichen Steinformation - die eben (wirklich) wie ein Adler mit ausgebreiteten Schwingen aussieht - wirklich eindrucksvoll!

Ich hab dann vom PostOffice auch gleich ein paar Sachen zurück in die Heimat zuschicken … so auch meine Kamera – it’s not „worth the weight“. Anders als gedacht, bist du so mit mit laufen und „überleben“ beschäftigt, dass sich das Gewicht und die komplizierte Handhabe nicht lohnen. Wenn du nicht mehr als 10 Bilder am Tag damit machst, ist das zu umständlich ... ausserdem kommt jetzt der staubige Part des PCT ...

Das Warner Springs Ressort ist quasi ein gratis Zeltplatz mit kleinem Shop, wo du auch duschen kannst, allerdings musst du dir das Wasser selbst aus großen Eimern über den Kopf leeren ... wie in der Bucket-Challenge. Immerhin – schon die zweite Dusche in 10 Tagen – nice!!

Soviele Leute hier getroffen (Dozer und PJ, Wes und Staci, Carl) einen Burger im benachbarten Golfplatz-Restaurant gegessen … Wäsche gewaschen. Auch Sven, den Holländer, der am gleichen Tag von Scout und Frodo aus gestartet ist, treibt sich hier rum ... der ist ja ziemlich schnell angegangen und muss nun Tribut zollen ... Fussschmerzen und eine entzündete Blase ... er muss sogar noch ein paar Tage hierbleiben, bis er wieder auf den Trail kann. Es war absolut der richtige Weg, das Ganze langsam anzugehen - die Klasse von 2016 hat schon einige Opfer zu beklagen.

all good.

 

Bilder des Tages:

Tag 8

Früh los um der Hitze zu entwischen, 10 Meilen zum nächsten Wasser, mitten im Nirgendwo wo nette Leute gallonenweise für PCT Hiker bereitstellen – „Third Gate Cache“. 

Dort traf ich dann Carl den Kanadier wieder, der auch bei Scout und Frodo untergebracht war, er musste verletzungstechnisch 2 Tage aussetzen und ist nunmehr soweit wie ich. Auch Pierre traf am Waterchache ein – mit neuen Schuhen (die Gleichen wie meine – viel Spaß!)

Also 5 Stunden im Schatten verbracht und dann auf zum nächsten Campground – 11 Meilen mit einem harten Anstieg in der Sonne, und einem laaangen Abstieg am Ende.

Ich ließ die beiden Verrückten (Carl und Pierre) ziehen, machte immer mal wieder Pause, und hatte mein erstes Erlebniss mit einer Klapperschlage. Kurz vor Sonnenuntergang passierte ich dann noch den 100 Meilen Marker - ein wirklicher erster "Milestone". Ich erreichte dem Campground (mit fliessendem Wasser!) mit dem letzten Tropfen Energie um ca. 20:15 Uhr. Da war es schon fast dunkel, ich baute mein Inner-Tent auf – setzte mich rein, und ward nicht mehr gesehen …. 

Und in Irland hat es bestimmt den ganzen Tag geregnet!

Danke Mama – ich habe jetzt einen neuen Trailnamen …. mittlerweile kennt jeder dein „du könntest doch auch in Irland wandern“ … und so rufen mich alle „Ireland“ ….

 

Bilder des Tages:

Tag 7

Gut geschlafen – aber die Matratze verliert immer noch Luft irgendwie. Um 6:30 gestartet und kurz vor 9 Uhr bei Scissors Crossing (eine Straßenkreuzung in mitten von Nichts) angekommen. Bereits nach 5 Minuten hält ein weißes Auto in zwei älteren, weißhaarigen Ladies drin und nimmt mich mit nach Julian. Kathy and Keta, wundervolle Rentnerinnen – unglaublich, irgendwie wie Thelma und Louise 40 Jahre später. Keta ist ursprünglich aus Holland, spricht 5 Sprachen und ist einübriggebliebener Hippie mitArmschmuck und türkisfarbenen Ringen … im Auto zündet sie sich erst mal einen Joint (medical reaons) und dann steckt sie mir 20 EUR zu – vom letzten Urlaub! 

Julian ist ein kleines Kaff mit ein paar Geschäften und dem bei Hikern beliebten Moms Pies Café, wo jeder truhiker gratis ein Stück Kuchen mit Sahne oder Icecream und ein Getränk erhält.

Ich werde mich heute noch ein bisschen hier aufhalten und versuchen gegen Nachmittag noch ein paar Meilen zu machen.

 

Sitze gerade wohl klimatisiert in der Comunity Library in Julian – und kann mich noch etwas ausruhen … hier mal ein paar Gedanken, die heute auf dem Weg so durch den Kopf gingen:

Morgen bin ich eine Woche auf dem Trail. Es ist wahnsinnig schön, interessant, mit unglaublichen Landschaftseindrücken – und anstrengender als erwartet.

Ich denke der PCT stellt die Hiker bereits auf den ersten 100 Meilen auf die Probe. Er gibt dir An- und Abstiege, lässt dich kilometerlang auf steinigen Pfaden laufen. Er gibt dir Regen, verweigert dir Trinkwasser und lässt dich in der kalfornischen Sonne Grillen … ich denke, er will zeigen, dass es Ausdauer und Leidenschaft braucht um mit ihm klarzukommen.

Auf der anderen Seite triffst du unglaubliche Leute auf den Trail – Hiker, die wie du nur nach vorn schauen und trotz aller Schmerzen und Wehwehchen immer lachen.

Jeder ist für den anderen da mit Tips und guten Worten. 

Trailangels die an den unmöglichsten Orten Wasser oder andere tolle Sachen für die Hiker deponieren – oder die staubige, ungewaschene Anhalter mitnehmen um sie vom Trail in eine Stadt oder wieder zurück zum Trail zu bringen. 

Oder einfach Leute auf der Straße, die dich fragen ob alles OK ist … das ist unglaublich. 

Alles gut bisher – bin wohl etwas sentimental heute …. haha, aber das ändert sich bestimmt in ein paar Stunden … die nächsten zwei Tage geht’s ziemlich bergauf !

 

Knapp 21:00 Uhr, liege unter dem unendlichen Sternenhimmel hoch oben auf einem Berg – perfektes Ende eines perfekten Tages. Mile 82.76


Bilder des Tages: