08-05-2018 Über-Flüssig

Heute früh habe ich mich bei Regen vom Guesthouse 40010 in Shimanto verabschiedet - und es sollte den ganzen Tag nicht aufhören zu regnen. T37 „Iwamotoji“ war schnell erreicht. Ein eher unspektakulärer Tempel ... ein „Stadttempel“ eben. Von dort ging es weiter an der Straße entlang, mal an der Hauptstraße, mal an der Nebenstraße. Es regnete und regnete, und als sich plötzlich etwas die Sonne zeigte, war es mir, als wäre das Wasser, das dir die entgegenkommenden Lastwagen unter deinen Pilgerhut spritzen, 1 Grad wärmer als zuvor. 

Es sollte eine Strecke von 33 km zum nächsten Henrohouse sein, das wir gebucht hatten - aber nach 5,5 Std. „walking in the rain“ hatte ich die Nase und die Schuhe gestrichen voll und absolvierte die letzten 7 km mit dem Zug. Der menschliche Körper besteht ja zu 80% aus Wasser - meiner heute zu 168%! Ich war quasi „über-flüssig“! Ich war klitschnass, mir war kalt und ich hatte keinen Spass mehr. Und Spass soll diese Reise schließlich auch machen. Kelly war irgendwie vor oder hinter mir, weil sie sich bei Zeiten in einem Family Mart einen Kaffee gegönnt hatte. Wie wir dann am Abend in der Unterkunft feststellten, sind wir beide heute mehrmals vom eigentlichen Henro-Pilgerweg abgewichen und später wieder darauf getroffen - wie auch immer.

Das Henrohaus in Artigawa ist toll - und für 1.000 yen extra bekamen wir noch ein ausgiebiges Abendessen. Ende gut, alles gut.

Apropopo, wer es  nicht erlebt hat,  kann es wohl nicht nachvollziehen - aber nach 4 Stunden des Laufens, total durchnässt einen Kombini (24h Shop, wie 7eleven, Lawson oder Family Mart) aufzusuchen und sich auf eine beheizte Klobrille plumpsen zu lassen - das hat was magisches an sich ... oder was magnetisches?

07-05-2018 Tunneltag

Der Futon und das Kopfkissen waren bisher das bequemste Nachtlager hier in Japan - oder ich einfach so geschafft von den 42 km gestern - ich habe geschlafen wie in ein japanischer Eichelhäher oder so.

in der Früh noch einen Plausch mit der sehr netten Wirtin “Mai” und ab ging es - in den Regen. Kelly hatte für sich eine Übernachtung im Shimanto Guesthouse gebucht - ca. 27 km weiter - und i h schloss mich ihr an. Nach einer Stunde Marsch durch den Regen machte i h an einer kleinen Raststätte Pause und bestellte einen Kaffee zum aufwärmen. Als ich danach bei der Chefin bezahlte, steckte mit ihre Mutter 150 yen zu und bedeutetet mit einer Handbewegung an, ich solle mir doch ein Getränk aus dem Automaten mit auf den Weg nehmen. Gesagt - getan. Arigato goizamassu!

Nach insgesamt knapp 4 Stunden im Regen traf ich auf Kelly und wir zogen gemeinsam weiter. Nach einer halben Stunde wurde der Regen wieder stärker und es donnerte auf japanisch. Da kam uns das Udon-Restaurant an Weg gerade Recht. Wir legten einen Stopp ein und ließen uns das vorzügliche Essen schmecken. Nach einer halben Stunde Aufenthalt regnete es immer noch in Strömen - aber es half nichts, wir hatten noch 1,5 Std. zu gehen, bevor wir das sehr schöne Guesthouse erreichten. Von einem jungen Paar geführt, bietet es einen Raum mit 2 Stockbetten (mit dünner Matratze), einem tollen Wohnzimmer  mit Liegen und einer wunderbaren Dusche. 

Zeit um mein Blog zu aktualisieren und im Buch die kommenden Streckenabschnitte durchzugehen. Es sind Morgen 5 km zum Tempel 38 - und erneut ist Regen angesagt … grrr.

Heute und gestern bin ich bestimmt durch 8 Tunnel gelaufen - das ist immer etwas beängstigend, da die Tunnel von Haus aus recht schmal sind und meist keinen Gehweg für Fußgänger haben. Desweiteren dröhnt es darin sehr laut, du hörst dass von hinten ein Auto kommt - aber es dauert meist noch 10 Sekunden, bis das Auto den Schall eingeholt hat und an dir vorbeizischt. Es fahren auch nicht alle Autos mit Licht, insgesamt sehr spannend, aber wenigstens ohne Regen.

06-05-2018 Marathon

Ahhh ... so in einem Bett schlafen hat schon was, auch wenn es etwas kurz ist (Bett und Zeit). Um 6:30 Uhr bin ich mit leichtem Gepäck RichtungT35 gestartet. Der Tempel liegt wunderschön hoch an einem Berghang, und der Ausblick ist atemberaubend. Auf dem Weg hinauf bin ich Sol begegnet, die im Tempel übermachet hatte und nunmehr auf dem Weg zu T36 war. Kelly (NL) hatte auch im Tempel übernachtet und schon sehr früh aufgebrochen.

Nach dem Tempelbesuch lief ich zurück ins Hotel, packte zusammen und machte mich dann ebenfalls auf den Weg zum nächsten Tempel. T36 liegt auf einer kleinen Insel und man muss über eine lange Brücke laufen um dahin zu kommen. T36 ist meiner Meinung nach überragend - man muss wieder gefühlte 328 Steintreppen hinter sich bringen um zum Haupttempel zu gelangen, aber das lohnt sich wirklich. Haupt- und Nebentempel liegen nebeneinander und diverse Heiligenfiguren aus Stein, eingebettet in den umgebenden Wald, runden die Szenerie ab

Am Tempel traf ich Sol und wir diskutierten ob wir den bergigen Henrotrail folgen sollten, der als hügelig und ohne Wasser beschrieben wurde oder die Straße zurück und um die ganze Bucht herum. Wir beide beschlossen aufgrund des bereits einsetzenden Regens die sichere Variante der Straße zu wählen. Das war eine lange Tour, mit mal mehr und mal weniger Regen.

Von Kelly wusste ich, dass sie in Susaki in einem Guesthouse übernachtete. Ich schrieb ihr eine Nachricht und fragte ob noch ein Schlafplatz frei sei - sie bejahte und ich bekäme das größte Zimmer! Also beschloss ich ebenfalls dahin zu laufen, auf Zelten im Regen hatte ich keine große Lust. Sol schlug ich Zelt in einer Henrohütte am Weg auf - und ich lief weiter bis Susaki City - das war insgesamt ein unerwarteter 42 km Tag für mich ... und das merkte ich in den Beinen. 

Eine lange Dusche und eine hoffentlich gute Nachtruhe in Mais Guesthouse würden mich hoffentlich wieder fit werden lassen.

05-05-2018 es tempelt wieder

Wie schon geschrieben, entpuppte sich unser Campingspot als etwas laut - Partypeople und in Kochi selbst heulten irgendwie andauernd irgendwelche Sirenen. Als ich dann noch anfing von der Arbeit zu träumen musste ich aufstehen. Ganz schnell. Um 6:30 Uhr war ich unterwegs zu T32 - Kelly war schon dort, als ich ankam. Sie ist gut im Training, weil sie gerade 4,5 Monate in Australien gewandert ist - und es ist bereits ihr zweiter Shikoku. Von T32 hatte man eine sehr schöne Aussicht zurück auf den Strand von Kochi. 

Anschließend ging es dann am Meer entlang Richtung Fähre - wir hatten Glück und bereits nach Minuten kam eine und wir setzten kostenlos über. T33 lag nicht weit von der Fähre und gehört auch zu der Fraktion der kleineren Tempeln. Kaum aus dem Stadtgebiet heraus, kam die Sonne endgültig zum Vorschein und es wurde wieder richtig heiss. Tempel 34 ist auch eher unspektakulär und liegt direkt an einer vielbefahrenen Straße. 

Von hier waren es noch knapp 11 Kilometer zum T35, aber soweit wollte ich es heute nicht kommen lassen. Meine beiden kleinen Zehen schmerzten und die Innensohlen meine Schuhe haben mittlerweile wohl das dämpfen komplett eingestellt. Ich beschloss mir heute ein Zimmer in einem Businesshotel zu gönnen um endlich mal wieder ein „richtiges“ Bett spüren zu können (40 EUR). Ich lief also noch bis nach Tosu City und bezog mein 12qm-Reich. Ich packte mich so gut es ging komplett in die Miniwanne/erhöhte Dusche und gönnte meinen Füßen und dem Rest etwas Wasserzeit.

Danach humpelte ich zum nächsten Lokal wo es mir nach anfänglichen Schwierigkeiten dich noch irgendwie gelang eine Misosuppe mit Ramennudeln, Hünchen und ein Bier zu bekommen - lecker! Danach meinen ersten japanischen ”Laundromat” besucht - ist wie in den USA, nur auf japanisch.

Zum Tempel sind es knapp eine Stunde, ich werde versuchen früh loszuziehen und mein Gepäck im Zimmer zu lassen. Der Tempel hat den gleichen Hin- und Rückweg und der checkout im Hotel ist um 10:00 Uhr. Spar ich mir den schweren Rucksack. 

Laut Wettervorhersage soll es morgen Nachmittag dann anfangen zu regnen ... und das wohl mindestens für 2 Tage!