Tag 98

Rechtzeitig zum Frühstück erreichten wir die Grenze von Kalifornien und Oregon, dort trafen wir auf den Southbounder „Wideload“ und die beiden Nobos „Butt-Tape“ und „Tourist“ aus Usbekistan und der Ukraine, die schon einige Jahre in den USA leben und gerade ihre Hochzeitsreise auf dem PCT verbringen!

3 Monate Kalifornien – Sunshine State – und ich hab gerade mal „Maurerbräune“ … und das mir, dem Beach Boy! Topografisch hat sich noch nicht viel geändert, bergig und waldig. Als wir in der Nähe einer Dirtroad kurz Pause machten, kamen "Legend" und "Raven" in der guten alten „Gypsy“ angebraust, sie stoppten kurz auf ihrem Weg hoch zum Mount Ashland und Shiloh und ich bekamen jeder eine Dose Root Beer – Trailmagic!

Auf der höchsten Stelle des Tages, Mount Ashland (7.200 ft.), gab es unverhoffte nochmal Trailmagic in Form von Sodagetränken und einem bequemen Klappstuhl. Den Stuhl liessen wir aber dann doch da ;-)

Wir zelten heute bei Meile 1710, auf einer netten Lichtung im Wald – heute Nacht soll es den größten Meteoritenschauer des Jahres geben – ich bin mal gespannt!

Tag 97

Kalifornien zeigt in seinen letzten Tagen nochmal, was es so draufhat – Flussüberquerungen, 12 Meilen Roadwalk und einen Anstieg über 5.500 ft. Schwamm drüber – jetzt sind es noch 4.7 Meilen nach Oregon, wir campen heute bei Meile 1685. Morgen knacken wir dann die 1.700 Meilen Marke und Freitag Vormittag sind wir dann hoffentlich in Ashland. Vielleicht hab ich dann mal wieder permanent Internet – Northern Californien entwickelte sich immer mehr zum „Verizon Country“ – Shiloh hatte sehr oft Empfang – ich mit AT&T kaum. 

Ansonsten war heute nicht viel geboten – viel Gebirge, viel Schweiß – meine Klamotten und ich können jetzt echt langsam eine Dusche vertragen ….

Mittags haben wir unseren ersten Southbound Thruhiker getroffen – „Machine“, einen jungen Kerl, der um den 20. Juli an der kanadischen Grenze gestartet ist!

Tag 96

Vom Paradise Lake ging es in Höhe zu einem paradiesischen Sonnenaufgang – ein prächtiges Farben- und Wolkenspiel vor einer grandiosen Gebirgskulisse. Danach gaben wir so richtig Gas und gelangten nach diversen abenteuerlicher Flussüberquerungen, aufgrund abgebrannter Brücken, bereits um 14:30 Uhr an die Straße nach Seiad Valley. Dort trafen wir erneut auf „Legend“, einen berüchtigten Trailangel den wir vorher schon mehrmals getroffen hatten, der uns mitnahm zum General Store. Das Café war bereits geschlossen, sonst war nicht viel los, also beschlossen Shiloh und ich nach einem kurzen Einkauf wieder zurück auf den Trail zu gehen. Die Dusche muss also noch 2-3 Tage warten. Who cares?

Ashland ist also unser nächstes Ziel – und deshalb gingen wir noch gute weitere Meilen Richtung Trailhead. Wenn alles klappt, überqueren wir übermorgen die Grenze zu Oregon und erreichen Ashland vor dem Wochenende – auf geht’s!

Tag 95

Melde gehorsamst – einen Bären gesehen zu haben! Um 6:21 Uhr verließ er ca. 30 Meter vor mir den Trail fluchtartig Richtung Dickicht. Entweder er hat uns wegen unserer Trekkingstöcke von weitem gehört oder … gerochen. Es war ein schwarzer Bär, noch jung – wahrscheinlich kam er gerade von der Disco, weil hier auf dem PCT steppt ja bekanntlich der Bär, boxt der Papst, fliegt die Kuh.
Ansonsten verlief der Tag ziemlich ruhig, so ruhig, dass wir erst gegen 16:00 Uhr einen anderen Hiker trafen – und der lief auch noch Southbound (sobo … nach Süden), während wir ja nobo unterwegs sind. Aber dieser Hiker (Broadwing) bestätigte uns, was wir schon länger vermuten: wir bewegen uns zwischen zwei Bubblen (Blasen) von Hikern. Broadwing sagte, dass er die letzten Tage täglich zwischen 30 und 50 Hiker gesehen habe … also sind da ein paar Hundert vor uns. Und dass da noch Einige hinter uns unterwegs sind, das wissen wir. Gefühlsmäßig holen wir allerdings zunehmend auf … aber eigentlich habe ich keine Lust, mich täglich um die raren Campspots zu kloppen … hoffentlich dehnt sich das Feld noch ein bisschen!

Wir campen heute am „Paradise Lake“ (Meile 1626.5) und möchten morgen am späten Nachmittag in Seiad Valley eintreffen, um dort zu duschen und zu essen.