Tag 110

Ein frostiger Beginn eines schönen Tages. In der Nacht hat es ziemlich abgekühlt, mein Schlafsack war eiskalt – außen. Ich bin dann das erste Mal mit Handschuhen gelaufen – aber mit kurzer Hose.
Heute kam ich mir vor wie Mister Spock, der alte Vulkanier. Es ging durch und über Lavafelder – sehr unangenehm zu laufen. Eine unwirkliche Landschaft, schaurig schön. Das Highlight war heute der Pfad durch ein Feld mit Millionen von Obsidianen. Funkelnde schwarze Steine - soweit das Auge reicht.

Wir waren bereits um 15:40 Uhr am Highway beim Trailhead und der erste Wagen hielt an und nahm uns mit. Die Mutti hatte gerade den radelnden Vati und Sohn eingeladen und alle waren mit Hund Ole auf dem Heimweg. Eigentlich wohnt die Familie ein paar Meilen vor Bend (ist vor 2 Jahren aus Alaska umgezogen), aber sie ließ es sich nicht nehmen, uns bis zu unserem Motel zu fahren… only in the USA! Das Angebot von Mary Poppins hatte sich somit erledigt :-)

Das war ein sehr lustiger Hitch und so hatten wir viel mehr Zeit in Bend als erwartet. Erst mal zu „Jack in the Box“ und „Safeways“. Essen und dann Lebensmittel einkaufen – verpacken und verschicken steht Morgen auf dem Plan.

Tag 109

Der Tag begann, wie er geendet hatte – Moskitos und Seen. Ansonsten zeigte sich Oregon wieder so seiner gewohnten Seite: sonnig und waldig. Wir trafen Nightrider und Mary Poppins (die wir gestern unterwegs kennengelernt hatten) auf dem Trail und letztere bot uns an, morgen mit ihr nach Sisters zu fahren, wenn ihr Vater sie am Trailhead abholt. Gut – dann müssen wir nur noch die 25 Meilen von Sisters nach Bend hitchen, weil wir dort von unterwegs ein Motel gebucht haben, Sisters war quasi „ausverkauft“. In Bend (80.000 Einwohner) wollen wir am Mittwoch einen Zero einlegen, wir müssen Pakete vorausschicken und Shilohs linkes Knie etwas schonen, das muckt ein bisschen auf. 

Das absolute Highlight des Tages war am Abend an den Vulkangipfeln der „The three Sisters“ vorbeizulaufen. Man durchquert eine ewig lange, sandige Ebene und läuft an den Vulkanen entlang – unglaublich schön, mit Crater Lake der bisherige optische Höhepunkt in Oregon.

Heute haben wir über 29 Meilen hinter uns gebracht – morgen sind es dann noch 21 bis zum Trailhead nach Sisters/Bend. Camping ist heute bei Meile 1960.

Tag 108

Nach zwei knackigen Anstiegen in der Früh gestaltete sich der heutige Wandertag danach wieder eher geruhsam. Nachmittags liefen wir durch eine Art „Geisterlandschaft“, nur tote, auf halber Höhe abgebrochene Baumstämme … ringsum, scary! Wir absolvierten insgesamt wieder über 27 Meilen also knapp 44 Kilometer … mehr als ein Marathon. Wir liefen an 7-8 Seen vorbei, also war Trinkwasser heute kein Thema, obwohl ich mein Wasser sonst schon lieber aus fließenden Gewässern zapfe. Egal, ich hau sowieso immer ein Tütchen "Geschmackspulver" rein …. nach über 100 Tagen mit sehr stillem, gefilterten Wasser. Ich freue mich schon auf ein Fläschchen „Hirschquelle“ oder „San Pellegrino“ – gell Sina?!

Der Nachteil von den ganzen Seen – die Mücken sind auch wieder da. Die stechen dich sogar unter dem laufen – da muss denen doch schwindlig werden, auch wenn du gar keinen Alkohol im Blut hast!

Apropos Bier – kurz vor unserem heutigen „Campspot“ am Brahma Lake standen an einer Wegkreuzung 2 Flaschen mit dunklem Ale mitnahmebereit herum – ich war so frei und nahm ein mit, Shiloh meinte, ihm reiche es, etwas von meinem Bier zu probieren …. OK, nach 10 Minuten bin ich auch drauf gekommen – ich Trottel muss dann 2 Tage die leere Glasflasche mit mir rumschleppen …. (LNT - leave no trace)

Tag 107

Frisch ans Werk um 5:40 Uhr. "Dirty Gil" machte nach dem Frühstück aus unserem illustren Quartett ein Quintett, in dem er zu uns aufschloss. Entgegen der Wettervorhersage kühlte es heute noch nicht ab – es war heiß und staubig. Der staubigste Abschnitt in Oregon bisher. Dennoch gaben wir alle unser Bestes und waren um 18:30 Uhr am General Store des Shelter Cave Campgrounds. Wir holten unsere Pakete ab und ich kaufte mir 2 Dosen Soda.

Der Store schloss bereits um 19:00 Uhr (an einem Samstag!) und es gab nur noch Hotdogs. Das campen kostete 11 Dollar pro Nase. Shiloh und ich beschlossen lieber zurück zum Trail zu gehen und dort zu campen. Wes, Staci und Gil übernachten auf dem Campingplatz und machen sich morgen wieder auf den Weg. Meine Dusche und Wäschewaschen muss dann halt noch 3 Tage warten, dann wollen wir in Bend oder Sisters unseren letzten Zero in Oregon verbringen und noch ein paar „Fresspakete“ nach Washington versenden.