Tag 67

Gleich mal vor dem Frühstück mit beiden Schuhen im Fluss gelandet – das macht Spaß, aber egal heute ging es so gleich durch 3 Flüsse. Nach zwei ziemlichen Anstiegen bis Mittag ging es am Nachmittag fast 9 Meilen stetig leicht bergauf, bis wir dann am Dorothy Lake den Yosemite Nationalpark verließen und in die Hoover Wilderness eintauchten. 

Kurz nach 18 Uhr war es dann soweit: Shiloh und ich knackten die 1.000 Meilen Marke. Ziemlich unspektakulär – aber für uns ein Meilenstein. Und außerdem sind wir heute satte 24 Meilen gelaufen.

Nicht viel weiter fand Shiloh für uns (und 12.000 Moskitos) ein nettes Plätzchen zum schlafen. Über meinem Mesh-Innenzelt warten ca.140 Moskitos drauf, dass ich den Reißverschluss öffne … aber ich hab meinen ganzen Proviant mit im Zelt – ich werde die einfach aushungern! 

Zur Entspannung hab ich dann noch ein paar Runden „Moskito-Schnippen“ gespielt – einfach von innen mit dem Finger das auf dem Mesh sitzende Moskito gegen das Außenzelt schnippen – Peng, das bringt die Viecher ganz schön durcheinander … Rache ist süß!

Tag 66

Am Morgen sah es verdächtig nach Regen aus – dunkle Wolken Himmel. Also nix wie schnell zusammengepackt und das Regenzeug ganz nach oben in den Rucksack. Regenjacke und Regenhose hab ich ja bis auf den ersten Tag nur gebraucht um in den Waschsalon zu kommen. Alle anderen Kleidungsstücke sollten gewaschen werden … da gehrst du also nur mit Schuhen, Tegenjacke und Regenhose bekleidet durch die Ortschaft und sitzt dann mit den anderen Hausfrauen im Waschsalon – die denken bestimmt alle ich sei pervers ….

Ja so ist der PCT – da meint man, man hätte das Gröbste hinter sich in den Sierras – da tauchen plötzlich die „kleinen“ Pässe auf … der Aufstieg zum Miller Lake, Benson Pass, Seavey Pass … die haben es auch alle in sich – besonders wenn sie gehäuft auftreten ….

Und liebe Kinder: seit heute gibt es nicht mehr nur das A-Hörnchen und das B-Hörnchen, nun gibt es auch das C-Hörnchen. Das hab ich mir geholt, als ich mich unter einem über den Trail querliegenden Baumstamm hindurch ducken wollte und mit dem Kopf an einen kurzen, kaum zu sehenden Ast-Rest gekracht bin. Schmerz, Blut und laute Flüche folgten dem Aufprall. 

Oberschwester Shilo hat mich aber gleich bestens verarztet – ich (Berufsoptimist) hab ja nicht mal ein Pflaster dabei …
Weiter ging es dann per Baumstämme über zahlreiche Flüsse und über steinige Auf- und Abstiege bis zu Meile 977. Vielleicht knacken wir morgen ja die 1.000 Meilen Marke?!

Nebenbei bemerkt: ich weiß nicht ob es daran liegt, dass ich jetzt ein Unmenge an Erdnüssen und Skittles als Zwischenmahlzeit zu mir nehme, oder am niedrigeren Wanderniveau, weil wir nunmehr kaum noch über 10.000 ft Höhe hinauskommen – irgendwie fallen mir die Anstiege und Pässe seit einigen Tagen leichter … oder es liegt an dem Glas mit den 750 gr Nutella, das ich mit mir rumschleppe.

Tag 65


Tuolumne Meadows ist ein beliebter Treff für Yosemetie Nationalpark Besucher, die von dort aus Tages- oder Wochenendtouren starten. Dementsprechend war da heute (Samstag) die Hölle los. Außerdem trennen sich hier der John Muir Trail und der PCT wieder – von nun an sind wir PCTler also wieder unter uns ;-)

Nach 2,5 Std. dort machten Shiloh und ich uns wieder auf den Weg, vorbei an grandiosen Felslandschaften, den Tuolumne Wasserfällen, über ein riesiges grünes Meadow – bis hinunter zum Return Creek, wo wir heute nächtigen (Meile 956). 

Morgen sind 3 satte Anstiege zu absolvieren – das kann ja heiter werden …

 

Tag 64

Auch heute ging es wieder an vielen Gebirgsseen vorbei, bis wir auf Höhe des Island Passes wieder auf den PCT trafen. Dann folgte der laaange Aufstieg zum Wohl letzten Pass der über 11.000 ft hoch liegt – den Donohue Pass. Vor Wochen noch dick mit Schnee und Eis bepackt, präsentierte er sich heute ziemlich felsig und bis auf den Gipfel mit Moskitos gespickt. Diese Viecher kosten einem wirklich den letzten Nerv. Ich sprühe meine Arme und Beine ja täglich mit „Deet“ ein, dagegen ist Autan ein Babypuder, aber das Ueug hilft nur ein paar Stunden – dann stürzen sich diese Blutsauger erbarmungslos auf dich. Aber Geschmack haben die Viecher scheinbar, um meinen Kopf, behütet mit meinem sexy Safari-Hut, machen sie einen großen Bogen.Es war anstrengend heute: fast 5000 ft hoch und ebenso viele wieder runter. Bis ins Tuolumne Meadows Tal (vom Pass aus gigantisch anzusehen) in dem wir heute bei Meile 934 campen. Gute Nacht.
Apropos gute Nacht – gestern Abend ist noch etwas merkwürdiges passiert: gegen 22:00 Uhr ist irgendetwas murmelnd an meinem Zelt vorbei geschlurft, ich dachte ein betrunkener Hiker von weiter oben oder so und kurz drauf hat dann etwas laut gescheppert … ich hab mich einfach mal tot gestellt, das hilft fast immer. Heute Morgen war dann Shilos bear canister (mit allen Nahrungsmitteln), die man ja immer ein gutes Stück vom Zelt weg lagern sollte, nicht mehr an Ort und Stelle sondern lag gut 10 Meter weg. Shilo hatte die Geräusche auch gehört und gemeint es hätte wohl ein Waschbär damit gespielt. Heute Abend, als er sein Abendessen aus dem Kanister holte, sah er erst die tiefen Kratzspuren im Hartplastik …. von einem Waschbären????