Tag 71

17 Meilen zum Trailhead – das schafften wir in 7,5 Std. Die Strecke war angenehm zu laufen, es waren sogar einige Flachpassagen dabei.! Zum Schluss ging es dann aber den Echo Summit hinunter, ziemlich steinig mit viel „Treppensteigen“ …. nervig, aber ich war froh, dass wir diese Strecke nicht hinauf mussten! Kaum am Highway angekommen, hielt nach ca. 10 Minuten ein Auto und Joaquín nahm uns mit nach South Lake Tahoe – perfekt. 

Zuerst unsere Pakete beim Outfitter abgeholt … neues Innenzelt (das andere hatte Risse und Löcher), neue Hose … Größe 34 statt 38 ? und eine Regenhülle für meinen Rucksack (für Oregon und Washington). Dann zu MacDonalds gegenüber und anschließend ins Motel und in den Waschsalon.

Einkaufen waren wir dann in einem „Grocery Outlet“ – schön billig, aber fast nur Grosspackungen! Gruselig was die Amis alles so im Sortiment haben „Griechische Yoghurt Brezel“??

Das Abendessen im Mediterrane Restaurant Artemis war spitze – schmackhaft und frisch … mal was anderes.

Lake Tahoe ist ja sowieso mit Touristen reichlich gesegnet, deshalb sind die Motelpteise ganz schön saftig und heute Abend findet auch noch ein großes Konzert statt: Sting und Peter Gabriel! Eigentlich eine Traumkombination für mich … aber irgendwie ist mir nicht danach. "We are not in tourist mode anmore" - wie Shiloh und ich zu sagen pfelegen.

Tag 70

Um 5:30 Uhr gestartet – es gilt Meilen zu machen! Wunderschöner Weg durch Wälder, vorbei an urigen Gebirgszügen (sieht aus wie vulkanischen Ursprungs) und einsamen Seen. Beim Frühstücken haben wir dann das tschechische Paar Adele und Martin aus Prag wieder getroffen, das wir gestern schon kennengelernt hatten. Die Beiden laufen eine 350 Meilen Section auf dem PCT. 
Beim Mittagessen hörten wir dann, dass ein „verrückter“ Belgier unterwegs sei, der den PCT-Speed-Rekord knacken will – er will die ganze Strecke in 57 Tagen laufen … 50 Meilen pro Tag. Und kurz darauf ist er auch schon an uns vorbei gedüst! Sachen gibt’s ….

Obwohl es heute laut Guthook App eine eher leichtere Etappe sein sollte, haben wir die üblichen je 4.000 ft rauf und runter trotzdem verarbeitet. Aber dieser PCT- Abschnitt, der landschaftlich für mich bisher der schönste ist, bietet angenehmere Steigungen … zwar steil, aber ohne die elendige Felsenkletterei – man kann seinen Laufrhythmus beibehalten, das macht es dann wieder etwas leichter.

Der letzte Anstieg heute war wieder mal phänomenal … erst durch den Wald, dann ansteigend am Abhang entlang und schließlich mitten über die grüne Wiese dem Gipfel entgegen. Dort bot sich uns ein traumhafter Blick auf die Berg- und Seenlandschaft auf beiden Seiten. Unbeschreiblich … drum lass ich das mal lieber.

Wir campen bei Meile 1074 (haben also 27 Meilen gemacht, mehr als ein Marathon!) … morgen müssen wir also „nur“ 17 Meilen zum Highway 50 laufen und dann jemand finden, der zwei staubige, stinkende Wanderer in die Stadt fährt … South Lake Tahoe – wir kommen!

Tag 69

Um unser ehrgeiziges Ziel – am Freitag bereits in South Lake Tahoe einzuchecken – zu erreichen, sind wir heute bereits um 5:20 Uhr auf die Piste. Natürlich gab es wieder die unvermeidlichen ups and downs (4000 ft rauf, 4600 ft runter) aber wir haben bis zum Abend 25 Meilen geschafft und nächtigen bei Meile 1047. Heute ging es ziemlich lange durch bewaldete Gegenden, schattige und ansteigende Waldwege, wenig Felsenkletterei – lediglich die Moskitos nervten. 

Mittags haben wir alte Bekannte getroffen, „Liftoff“ – die wir seit Ziggy and the Bear nicht mehr gesehen haben, Jackson „the prince“ (zuletzt Kennedy Meadows) – und neu: das deutsche Mädel „Rocky“ aus Karlsruhe.

Heute war es in der Sonne wieder  mal so richtig heiß, nachts kühlt es ab auf 8-10 Grad. In den höheren Regionen waren wir in den letzten Wochen schon ein paar mal knapp am Gefrierpunkt … mein Cumulus Schlafsack macht sich prima und ich bin froh, dass ich das Baumwoll-Inlet mitgenommen habe – bisher habe ich (im Gegensatz zu manchen anderen) noch keine Nacht gefroren.

Tag 68

5.00 Uhr aufgestanden – 5.30 Uhr auf dem Trail. So schnell war ich noch nie, nur weg von den Moskitos! Heute ging es nochmal in die Höhe – der Sonora Pass stand an, ein Anstieg über 1000 Höhenmeter, aber verteilt auf über 15 Kilometer …. Auf den ersten Meilen kam ich mir vor wie auf dem Camino Frances, beim Aufstieg in den Pyrinäen am ersten Tag. Ein langer steilre Anstieg, weithin sichtbar – bis hinauf auf den Bergrücken. Aber was dann kam, war sensationell – eine Wahnsinnsaussicht in alle Richtungen, eine kilometerlange Wanderung knapp unterhalb des Berggrats entlang … sowas hatten wir nicht erwartet. Keiner der PCT Hiker hat bisher groß was über den Sonora Pass verlautbaren lassen, alle haben nur über die „großen“ Pässe wie Forester, Glen oder Muir geredet.Einzig der viele Schnee war zu bemängeln … dutzende Schneefelder waren zu überqueren – aber dafür gab es nochmal eine grandiose „glissade“ auf dem Hosenboden den Berg hinunter ?

Für mich war der Sonora Pass bisher der aufregendste und spannendste Tag neben dem angst- und adrenalingeschwängerten Weg über den Forester Pass.
Am Trailhead (Trail Ende auf dem Parkplatz) hab ich dann gleich meinen Bear Canister für 20 Dollar an Casey Cox vom Sonora Pass Resupply verkauft, der da mit seinem Truck stand … yippie, 1.5 Kg weniger Gewicht im Rucksack!

Wir haben heute 21.4 Meilen gepackt – damit liegen wir voll im Soll, denn wir haben ausgerechnet, dass wir in den nächsten 82 Tagen im Schnitt 21 Meilen pro Tag gehen müssen, damit wir unseren Truhike ca. am 28. September am Northern Terminus beenden können. Alles im Oktober bedeutet ein Schneerisiko in den Cascade Mountains … mal sehenob das hinhaut!